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Besser kochen mit Jamie
Das erste Mal ist mir Jamie Oliver in Form seiner Bücher 2003 in einer Londoner Buchhandlung über den Weg gelaufen. Nachhaltiger war die zweite Begegnung, als ich ihn wenig später im britischen Fernsehen sah: er war irgendwie eigen, wirkte jung, flippig, manchmal übertrieben. Und im deutschen Fernsehen wirkten die Sendungen durch die damalige Syncronstimme richtig schlimm. Da ist Tim Mälzer – die deutsche Antwort auf Jamie Oliver – dagegen leichter zu ertragen.
Mittlerweile – und viele seiner Sendungen und Kochbücher später – hat sich meine Einstellung extrem ins Positive geändert. Toll finde ich die Alltagstauglichkeit seiner Rezepte. Man muss nicht durch vier Läden, um zwanzig Zutaten zusammenzubringen. Sondern es lassen sich mit wenigen Dingen sehr leckere Sachen kochen, ohne weiteres auch an einem normalen Arbeitstag. Und viele Sachen sind auch familientauglich.
Jamie Oliver ist heute auch ein erfolgreiches Geschäftmodell. Alle Jahre (mindestens) kommt ein neues Kochbuch raus, dazu gibt es in diversen Ländern die passende Fernsehserie. Und neben der Maschinerie eröffnet er immer wieder neue Restaurants. Und trotzdem: Das Produkt stimmt und hat – das ist das Verwunderliche – Authentizität. Und sein Engagement für bessere Ernährung von Schulkindern in England ist beeindruckend.
Weil er im Moment mein liebster Kochbuchproduzent ist, werden ich hier nach und nach seine Werke vorstellen. Heute geht es um das 2007 auf deutsch erschienene »Besser kochen«. Das is bereits sein siebtes Buch gewesen. Und es war das erste Buch, dass er als Grundkochbuch bezeichnete. Neben Rezepten enthält es also auch Küchenkunde. Die Aufmachung innen ist üblich für seine Bücher: ganzseitige Fotos wechseln sich mit Rezeptseiten ab. Die Kapiteleinführungen und die Seiten mit Küchenkunde sind textlastig. Bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen findet man nicht, vermisst sie aber auch nicht. Der Schreibstil ist lässig, aber angenehm und verständlich.
Zu den Rezepten. Eher was winterliches ist das „Herrlich zarte Kaninchenragout mit den besten Klößen der Welt“, letztere werden auf das Ragout gesetzt und fungieren als Deckel. Lecker! Ein Höhepunkt sind die „Gebratene Jakobsmuscheln mit Linsen, knusprigem Speck und Zitronen-Crème-fraîche“: leicht zuzubereiten und extrem schmackhaft. Viele andere Rezepte klingen simpel, haben aber einen besonderen Dreh, wie „Panierte Schweineschnitzel mit Brunnenkresse und würziger Apfelsauce“. So lange es noch grünen Spargel gibt, lohnt sich in jedem Fall das „Gegrillte Hähnchen mit neuen Kartoffeln, Spargel, Joghurt und Kräutern“. Appetit bekommen?
Jamie Oliver: Besser kochen mit Jamie, 448 S., 2007, Dorling Kindersley Verlag, 26, 90 €, ISBN 978-3-8310-1031-8
Seeschlacht
Ein Anwalt aus Düsseldorf kauft den gesamten Wandlitzsee in Brandenburg, führt Prozesse gegen Anwohner und verhöhnt den Bürgermeister. Die Geschichte einer Eroberung.
Lesenswert im law blog:
Einer der unbequemsten Gerichtsreporter Deutschlands, Rolf Schälike, war im Knast. Fünf Tage saß er “freiwillig” im Hamburger Gefängnis, weil er sich weigerte, ein Ordnungsgeld in einem seiner vielen Prozesse zu bezahlen.
Die Amöbe wird 90
Prinz Philip, der Gatte der englischen Queen feiert Geburtstag. Das er prägend für die Texte von Monty Python wirkte, beweist die Aufstellung seiner besten Sprüche bei der Süddeutschen.
Nimm zwei – erst frei ab 18
Foodwatch-Video zu Werbelügen:
Weniger ist mehr
Eine US-Ärztevereinigung hat eine Liste von unnötigen Behandlungen zusammengestellt. Die Süddeutsche hat einen lesenswerten Artikel dazu. Hier nur einer von vielen Punkten:
Entzündungen der Nebenhöhlen sollten erst mit Antibiotika behandelt werden, wenn eitriger Ausfluss und starke Schmerzen länger als sieben Tage anhalten.
Kinder-Apps
Wie soll man das finden?
Essen ist Heimat
In der dieswöchigen Ausgabe der ZEIT liegt die lesenswerte Beilage ”Mahl Zeit“ bei:
Obst vom Bauern, Kräuter vom Balkon, Fleisch aus der Region: Die Herkunft des Essens ist den Deutschen heute so wichtig, wie nie. Was bringt die neue Kost?
Gibt’s nur auf Papier.
Es muss nicht von stinkenden LKWs aus der Eifel, Italien oder Übersee herangekarrt werden. Mann muss es nicht beim Einkaufen mitschleppen. Es kommt direkt ins Haus. Ist immer verfügbar. Und extrem preiswert. Trinkwasser aus dem Hahn. Und trotzdem verkauft sich Mineralwasser. Die ARD-Fernsehsendung Wissen vor 8 hat schlüssig zusammengestellt, wie absurd das ist. Kleiner Ausschnitt:
- Leitungswasser ist das hierzulande am stärksten kontrollierteste Lebensmittel
- Die Mineralien die im Mineralwasser stecken, führt man sich auch durch Nahrung zu
- Profiverkoster können zwischen den Mineralwässern kaum Unterschiede herausschmecken, die annähernd den Preisunterschied rechtfertigen würden
- vier bis fünf Großunternehmen beherschen den internationalen Mineralwassermarkt
Fazit:
»Verrückt oder? Wasser aus der Flasche ist ca. 300 – 1000!!! x so teuer wie Wasser aus dem Hahn. Wasser ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir uns durch Werbung und Marketing beeinflussen lassen.«
